Oktober 27, 2006
Der Hessische Rundfunk hatte gestern im Fernsehen die Sendung “Service Gesundheit” mit dem Schwerpunktthema “Rheuma: Leben mit dem flieenden Schmerz” und ich durfte als Betroffene mit im Studio des Maintower sein. Letzte Woche drehte ein Redakteur des HR mit mir einen Film zu meinem Leben. Einen Tag lang hat er mich begleitet und ich habe aus meinem Leben mit der Krankheit Rheuma erzhlt. Ich muss ja zugeben, ich hatte ein wenig Sorgen, was er wohl aus diesem Film machen wird. Wie wird er mich darstellen? Als arme Kranke? Als Frau, die trotz Krankheit ihren Weg geht? Und ich bin stolz auf diesen Redakteur, der sehr sensibel gesprt hat, was mich beschftigt und wer ich bin. Sobald ich den Film vom HR bekomme, werde ich diesen auch hier online stellen. Vielleicht macht er anderen Mut und gibt Kraft. Einem Menschen, der mir heute morgen, einen Tag nach der Sendung, geschrieben hat, hat es schon ein wenig Kraft gegeben. Das macht mich wirklich glcklich!!!
Dann durfte ich auch mit ins Studio. Live-Sendung. Meine Gte, ich war wirklich nervs. Das erstemal im Fernsehen. Wie luft das so ab? Werde ich stottern oder schaffe ich es auch flssig zu sprechen? Die Atmosphre beim HR war wirklich sehr entspannend. Alle waren freundlich und nett. Ich durfte als “VIP-Gast” in der Lounge des HR, ganz oben im Maintower mit einer atemberaubenden Sicht auf Frankfurt, auf meinen Auftritt warten. Erst in die Maske, dann Besprechung mit dem Moderator Mathias Mnch und dann vor die Kamera. Der Adrenalin-Spiegel steigt…. Alles hat gut geklappt, kein Stottern, keine geistigen Ausflle. Eine tolle Erfahrung, die ich wohl nie gemacht htte, wenn ich diese Krankheit nicht htte.
Vielleicht hat jemand die Sendung gesehen. Wrde mich sehr ber Kommentare dazu freuen. Wie geht Ihr mit den Problemen im Alltag und Beruf um?
Oktober 20, 2006
Die Phase ist laut Autor Arnold Illhardt gekennzeichnet durch groe Betriebsamkeit und Aktivitt. (…) Hufig gehrt dazu auch die Hinwendung zu alternativen (…) Behandlungsmethoden.
Ja, ich denke, auch diese Phase im Verlauf meiner rheumatoiden Arthritis kenne ich. Als Kind nachdem die Diagnose gestellt war, schleppte mich meine Mutter zu vielen rzten und Heilpraktikern, oder in irgendeiner Zeitung stand ein Artikel, was alles bei Rheuma vermieden werden sollte. Dann durfte ich beispielsweise keine Tomaten mehr essen, weil die angeblich nicht gut fr mich waren. Alles wurde probiert, gendert hat es aber leider nichts.
Als ich meine Entscheidungen selber treffen konnte und anfing, mich mehr mit mir und meinem Rheuma zu beschftigen, habe ich auch viele verschiedene Sachen versucht: Ich war bei einem Phytologen, ich habe es mit Meditation und Yoga versucht, ich war bei einer Kinesologin,…(werde noch darber berichten). Manches war frustrierend und manches hat mich Phase 5 (Akzeptanz und Normalisierung) einen groen Schritt weitergebracht. Ein Wundermittel, auch wenn ich es mir so sehr wnsche, habe ich bei meiner Suche nicht gefunden.
Oktober 19, 2006
Ich hatte heute ein wirklich schnes Erlebnis. Oft ist es doch so im Leben, dass man Menschen trifft, die einem fr lange Zeit im Gedchtnis bleiben - auch wenn es vielleicht nur eine kurze Begegnung war. Und manchmal ist es sogar so, dass man eigentlich diesem Menschen mal “Danke” sagen mchte, aber leider hat man keine Gelegenheit dazu. Ich hatte heute die Gelegenheit “Danke” zu sagen, einem Menschen, der fr mich in meiner Kindheit sehr wichtig war. Der mir mit einer kleinen Geste viel Kraft im Umgang mit meiner Krankheit Rheuma gegeben hat. Prof. Dr. Truckenbrodt, damals vor circa 30 Jahren Chef der Rheuma-Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen, hat mir oft die Hand gehalten, wenn es mal wieder notwendig war, dass in den kleinen Gelenkspalt meines Daumens Kortison gespritzt werden musste. Dann sa er neben mir und hat mich von den Schmerzen abgelenkt. Im Anschluss, wenn alles berstanden war, gab es auch immer ein paar Gummibrchen. Daran muss ich auch nach 30 Jahren oft denken und mir war es schon lange ein Bedrfnis ihm zu sagen, wie gut mir das als Kind getan hat. Heute habe ich ihn zufllig auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft fr Rheumatologie in Wiesbaden getroffen und ich habe die Gelegenheit genutzt. Auch er hat sich gefreut, dass er als Arzt mit einer so kleinen Geste so Positives bewirkt hat. Ein gutes Gefhl!
Oktober 12, 2006
Was sind das fr Gefhle, die in Zusammenhang mit meinem Rheuma stehen? Wut, Trauer, Niedergeschlagenheit,… Ich bin manchmal ungeduldig, gereizt, ungerecht und auch uneinsichtig. Ja, auch diese Gefhle kenne ich. Insbesondere dann, wenn Schmerzen mich bestimmen. Aggression gegen andere und vorallem gegen mich selbst. Manchmal kann ich die Aggressivitt, mit der mein Krper gegen meine Gelenke vorgeht, in mir spren und zeige dieses Gefhl dann auch nach auen. Und leider trifft es dann auch manchmal Menschen, die es nicht verdient haben. Auch Minderwertigkeitsgefhle kenne ich gut. Dicke Gelenke mit Narben entsprechen ja auch nicht gerade einem Schnheitsideal.
Eine rheumatoide Arthritis betrifft eben nicht nur die Gelenke, sondern den ganzen Menschen.
Auf der anderen Seite gibt es auch gute Gefhle. Durch meine rheumatoide Arthritis habe ich wundervolle Menschen kennengelernt, und … (Jetzt starre ich schon einige Minuten auf diesen Bildschirm und denke ber gute Gefhle im Zusammenhang mit meinem Rheuma nach… ber die negativen Gefhle zu schreiben, viel mir leichter.) Vielleicht bin ich einfach noch nicht soweit, Akzeptanz oder Normalisierung kommen erst in Phase 5. Habe ich die Phase schon erreicht? Dahin ist es ein weiter Weg, den ich jeden Tag ein Stckchen weiter gehe.
Oktober 9, 2006
Nachdem ich nun meine genaue Diagnose juvenile chronische Polyarthritis wusste, lebte ich eher unbesorgt damit. Die Konsequenzen fr mein Leben und mich, bzw. meine Persnlichkeit war mir viele Jahre nicht bewusst. Dass ich Rheuma hatte, wute ich ja nun, aber wie ich mit meinem Krper umgehen sollte, war mir nicht klar. Ich habe mich einfach so verhalten, als wre ich nicht krank. So als gbe es dieses Rheuma in meinem Krper gar nicht. Das Verdrngen habe ich perfekt gelernt. Nur nicht zeigen, dass ich krank bin. Ich habe die Zhne zusammengebissen und bin immer wieder ber meine Grenzen gegangen. Gelitten habe ich dann, wenn ich alleine war und mir niemand zusehen konnte. Das hat viele Jahre funktioniert. Bis ich einen Menschen kennengelernt habe, der mich immer wieder dazugebracht hat, dass ich mir ber mich und mein Rheuma Gedanken mache. Ihm habe ich es letzlich auch zu verdanken, dass ich heute ber mich mit meiner Krankheit Rheuma spreche und mich Schritt fr Schritt Phase 5 “Akzeptanz” nhere.