November 9, 2008
Das Thema Partnerschaft und Sexualit�t mit einer chronischen Erkrankung wie einer rheumatoiden Arthritis ist ein spezielles, oft schwieriges Thema. Eine Partnerschaft unter diesen Voraussetzungen hat seine besonderen Probleme. Die Krankheit nimmt oft viel Raum ein, belastet nat�rlich auch eine Partnerschaft. Ich bin berufst�tig und oft nach meiner Arbeit m�de und ersch�pft. H�ufig ist es dann so, dass ich keine Kraft mehr f�r gemeinsame Freizeitaktivit�ten habe. Das ist f�r einen Partner nur schwierig zu verstehen. Die Kraft reichte doch auch f�r den Job. Warum nicht mehr, um gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen? Dann ist es ja auch noch oft so, dass die Tage mit meiner Krankheit sehr unterschiedlich sind. Mal geht es mir gut und ich bin fit, mal geht es nicht so gut und die Kraft reicht nur noch f�r die dringlichsten Dinge. Diese Schwankungen erfordern viel Verst�ndnis von einem Partner und viel offene Kommunikation von uns Betroffenen. Wir m�ssen erkl�ren und dar�ber sprechen. Eine Freundin sagte mal zu mir, dass ist doch wie eine Beziehung zu dritt. Ich - mein Partner - mein Rheuma. Eine solche Beziehung erfordert viel Arbeit und Mut. Mir war das nicht immer klar, wie belastend das auch f�r einen Partner sein kann.
Und das Thema Sex. Ich bin nicht biegsam wie eine Brezel. Das erfordert Phantasie. Und oft habe ich starke Schmerzen, dann habe ich keine Lust auf Sex. Auch da ist viel Verst�ndnis von einem Partner gefordert. Aber auch ich muss lernen, Verst�ndnis f�r meinen Partner zu zeigen.
Ich denke, eine Parnerschaft mit solch besonderen Herausforderungen kann nur funktionieren, wenn von beiden Seiten viel Verst�ndnis aufgebracht wird und offen die Probleme angesprochen werden. Oder?
Februar 11, 2008
In Indien habe ich oft Sudoku Rsel gelst. Und immer wieder kam ich an einen Punkt, wo ich auf die Zahlen gestarrt habe und nicht mehr weiter kam. So sehr ich mich auch bemht habe, ich konnte keine Zahl mehr richtig eintragen. Dann habe ich das Rtsel zur Seite gelegt und am nchsten Tag erst wieder zur Hand genommen. Und es hat dann nur 5 Sekunden gedauert bis ich der nchste Zahl eintragen konnte.
Manchmal ist es gut die Augen zu heben und von einem Problem zu lsen. Wenn man dann andere, neue Eindrcke sammelt und man anschlieend sich das Problem wieder ansieht, kann man innerhalb von Sekunden eine Lsung finden. Doch nicht immer ist es leicht, den Blick zu heben und mit einer vernderten Perspektive zu sehen. Ich habe das Gefhl je tiefer emotional ein Problem geht, um so schwerer ist es den Blick zu lsen und zu verndern.
Februar 4, 2008
Ich habe vor einigen Monaten eine neue Therapie angefangen. Eine Infusion, deren Wirkung erst nach circa 4 Monaten zu spren ist. 4 Monate, in denen es mir - wie man ja auch lesen konnte - wirklich schlecht ging. Es sind nicht nur die Schmerzen, es ist das Gemt, die stndige Erschpfung, der innere Zorn, der ganze Mensch, der darunter zu leiden hat. eine Therapieumstellung ist immer auch mit Risiko verbunden. Wird die Therapie helfen? Immer hoffen, die Gelenke untersuchen, tut sich schon etwas, hat die Schwellung vielleicht doch nachgelassen? Das war der Zustand, in dem mich mein Rheuma wirklich fest im Griff hatte. Kein Entkommen, auch wenn ich es noch so sehr versucht habe.
Vor 3 Wochen habe ich gemeinsam mit meinem Rheumatologen bechlossen, dass wohl mit der Therpaie keine Besserung mehr bei mir eintritt. Jetzt habe ich vor 3 Wochen wieder mit meiner vorherigen Therapie begonnen und spritze mich alle 14 Tage. Das wirklich Gute dabei ist fr mich, dass ich eine Wirkung nicht erst nach einigen Monaten zu erwarten ist, sondern schon nach circa 14 Tagen bis 4 Wochen. Und, ich kann es jetzt schon spren. die Wirkung setzt so langsam ein. Ich bin nicht mehr so erschpft, dass ich mich um 18.00 Uhr ins Bett legen muss und mir der Tag viel zu lang erscheint. Die Schmerze haben nachgelassen und kommen nicht mehr mit so einer Wucht. Und in den letzten 10 Tagen hatte ich auch keinen Tag dabei, an dem ich kaum laufen konnte oder wegen meiner schmerzen Hnde nicht mehr schreiben konnte.
Die Schwere weicht auch damit schrittweise. Die Schwere und der Zorn verblassen. Endlich kann ich wieder mehr ich selbst sein. Mir war gar nicht bewut, wie stark der Einfluss meines Rheumas auch auf meine Pernlichkeit ist.
Januar 20, 2008
Bevor ich meine Reise antrat, hatte ich am meisten Angst vor dem langen Flug. 11 Stunden sitzen, vllig bermdet und bestimmt Gelenkschmerzen. Leider gibt es auch keine Direktflge nach Sdindien. Das bedeutete mitten in der Nacht 3 Stunden Aufenthalt in Sri Lanka/ Colombo. Es war anstrengend. Aber auch das ging zu Ende und die Ankunft im Hotel entschdigte mich dafr. Es war schn, ruhig und es duftete toll. Endlich ins Bett, meine Knochen austrecken, nochmal eine Dosis von meinen Schmerzmittel und ruhen…
Dann begann die Kur mit einem ayurvedischen Anamnese-Gesprch mit der indischen Ayurveda-rztin. Ob sie eine im europischen Sinne ausgebildete rztin ist, wei ich nicht. War mir auch in diesem Moment egal, ich hatte ein gutes Gefhl bei ihr. Viele Fragen zu Schlaf, Trumen, Verdauung, Psyche und vieles mehr. Sie schaute sich genau meine Haut an, meine Ngel und meine Augen. Dann erwartete mich meine erste Massage. Warmes l wird auf mich getrufelt und leicht einmassiert. Herrlich. Als ich dies gerade schreibe, kann ich es noch fhlen. Es war wirklich sehr entspannend.
Dezember 30, 2007
Lange habe ich nun hier nicht mehr geschrieben. Mir ging es in letzter Zeit nicht gut und ich habe gerade so meinen Alltag und meinen Job bewltigt. Dann war der Akku einfach leer. Ich bin vor Erschpfung einfach ins Bett gefallen. Da war leider kein Platz mehr fr irgendetwas. Noch bin ich aus dieser bitteren Phase nicht heraus, aber ich habe wieder ein bisschen Kraft tanken knnen.
Ich war 14 Tage in Indien und habe eine Ayurveda-Kur gemacht. Die Kur, die mir mein Rheumatologe ans Herz gelegt hat, habe ich nicht beantragt. Irgendwie hat sich in mir etwas dagegegen gewehrt. Ich wollte etwas anderes. Aber klar war, dass ich Erholung brauche. Ich musste raus aus diesem regnerischen, trben Alltag. Also habe ich mich entschlossen eine Ayurveda-Kur zu machen, eine etwas andere Rheuma-Kur. Ich wute nicht so ganz, was mich erwartet, aber voller Hoffnung bin ich in das warme Indien geflogen, um mich 14 Tage ayurvedisch behandeln zu lassen. Massagen, le, ayurvedisches Essen, Reinigung der Augen, Ohren, Nase, Ghi, Yoga und viel Ruhe haben mir gut getan. Das Wunder, welches ich mir insgeheim gewnscht und darauf gehofft hatte, ist natrlich nicht eingetreten. Schmerzen und geschwollene Gelenke sind noch da, aber trotzdem ertrglicher und meine innere Kraft, die mein Rheuma in den letzten Monaten fast aufgebraucht hatte, ist wieder strker geworden. Dafr hat es sich gelohnt.
Ich werde in den nchsten Beitrgen ausfhrlicher ber meine Indien-Reise berichten und beschreiben, was eine solche Behandlung beinhaltet. Vielleicht hat auch jemand Erfahrungen mit einer Ayurveda-Behandlung gesammelt? Wie waren Deine Erfahrungen?
September 24, 2007
Ich fhle mich momentan mde und oft sehr erschpft. Daher hat mein Rheumatologe mir empfohlen einen Kurantrag zu stellen. Ich soll fr 3 Wochen in die Kur fahren - vielleicht nach Bad Aibling. Aber irgendwie strubt sich etwas in mir. Ich habe meine halbe Kindheit im Krankenhaus verbracht. Das hat bei mir einen “Schaden” hinterlassen. Ich mag keine Krankenhuser mehr. Was soll ich jetzt tun? Gibt es eine Alternative zur Kur? Muss es eine spezielle Rheuma-Kur-Klinik sein? Oder htte es nicht den gleichen Effekt, wenn ich mir einen entspannten Wellness-Urlaub gnnen wrde? Ich will nicht 3 Wochen mit Kranken verbringen, die alle ber 60 sind. Oder tusche ich mich und so ein Kur ist doch sinnvoll und gut? Wer hat Kur-Erfahrung und kann mir weiterhelfen?
September 9, 2007
Es ist ein stndiges Auf und Ab. Mal schmerzt das Knie, mal der Ellenbogen. Heute so, morgen so. Genauso fahren meine Gedanken und Gefhle Achterbahn mit mir. Und diese Erschpfung, macht es auch nicht einfacher. Ich finde, das Schwierigste, wenn man eine Krankheit wie eine rheumatoide Arthritis hat, ist es, mit dieser Unberchenbarkeit zu recht zu kommen. Zumindest ist es das fr mich.
Ich habe eine Idee: Ich sammele jetzt an den guten Tagen die guten Gefhle ein und bewahre sie auf fr die schlechten Tage. Dann kann ich mich an diesen schlechten Tagen daran wrmen. Ist so etwas machbar und wie knnte ich das machen? Darber muss ich nachdenken …
August 25, 2007
Ich denke gerade viel nach. Viele Gedanken purzeln manchmal regelrecht durch meinen Kopf. Viele negative Gedanken. Und ich habe mich gefragt, welches Gefhl dahinter steckt. Und dann kam ich erst auf Wut. Nein, Wut beschreibt es nicht richtig. Und je mehr ich nach dem Gefhl in mir gesucht habe, um so deutlicher habe ich den Zorn in mir gesprt. Ich bin zornig. Zornig auf mich selbst. Zornig auf meinen Krper, der durch Entzndungen zerstrt wird und zornig auf meinen Geist, der sich immer wieder so runter ziehen lsst.
Wie besnftigt man seinen Zorn? Was ist eigentlich das Gegenteil von Zorn? Ich habe gegoogelt. Geduld ist das Gegenteil von Zorn! Da ist sie wieder die Geduld. Schon wieder fhle ich Zorn, dass ich es einfach nicht schaffe, geduldig zu sein. Sanftmut viel mir noch dazu ein. Schnes Wort. Sanftmut. Das klingt nach Ruhe. Sollte ich sanftmtiger mit mir umgehen?
Wie besnftigt man ein zorniges Kind?
August 23, 2007
So oft kann ich aufgrund meines Rheumas bestimmte Dinge nicht tun. Immer wieder sehe und fhle ich, was ich nicht kann. Jeden Tag. Mehrfach. Da gert man schnell in eine negative Richtung und das tut auch seelisch nicht gut. Ich lerne zu sehen, was ich - trotz Rheuma - kann. Und ich konzentriere mich nun auf genau diese Dinge. Ich mchte positive Gedanken in mir fhlen. Nicht immer wieder diese Unzulnglichkeit, die Grenzen. Wenn ich in mir die positiven Gedanken (was ich alles trotz Schmerzen und dicken Gelenken kann) verankere, dann halten diese mich (hoffentlich!) auch an den schlechten Tagen. Dazu muss ich die Augen ffnen und mich mit meinem Rheuma bewut wahrnehmen.
August 21, 2007
Ich habe etwas Interessantes gelesen, das mich beschftigt. Es stammt aus dem Buch “Tag fr Tag zur Mitte finden” von Tensin Gyatso, dem 14. Dalai Lama.
Warum soll man sich sorgen, wenn sich ein Problem lsen lsst? Wenn es eine Lsung gibt, dann braucht man sich doch nicht zu ngstigen. Und wenn etwas unabnderlich ist, dann muss man sich fgen. Sorgen nehmen einem nur die ntige Kraft. Sie sind nutzlos.
Das klingt so logisch. Sorgen sind so nutzlos und rauben mir Kraft. Aber warum ist es dann so schwer, das auch im Herzen zu fhlen? Trotzdem kann ich die Gedanken und Sorgen nicht einfach ausschalten. Geduld. Ich lerne mich in Geduld zu ben. Ich mchte innerlich ruhiger werden, geduldiger. Ich fhle, dass das fr mich der richtige Weg ist und diese Krankheit Rheuma auch positiv beeinflussen wird. Es ist nur so schwer.