September 9, 2007
Es ist ein stndiges Auf und Ab. Mal schmerzt das Knie, mal der Ellenbogen. Heute so, morgen so. Genauso fahren meine Gedanken und Gefhle Achterbahn mit mir. Und diese Erschpfung, macht es auch nicht einfacher. Ich finde, das Schwierigste, wenn man eine Krankheit wie eine rheumatoide Arthritis hat, ist es, mit dieser Unberchenbarkeit zu recht zu kommen. Zumindest ist es das fr mich.
Ich habe eine Idee: Ich sammele jetzt an den guten Tagen die guten Gefhle ein und bewahre sie auf fr die schlechten Tage. Dann kann ich mich an diesen schlechten Tagen daran wrmen. Ist so etwas machbar und wie knnte ich das machen? Darber muss ich nachdenken …
August 25, 2007
Ich denke gerade viel nach. Viele Gedanken purzeln manchmal regelrecht durch meinen Kopf. Viele negative Gedanken. Und ich habe mich gefragt, welches Gefhl dahinter steckt. Und dann kam ich erst auf Wut. Nein, Wut beschreibt es nicht richtig. Und je mehr ich nach dem Gefhl in mir gesucht habe, um so deutlicher habe ich den Zorn in mir gesprt. Ich bin zornig. Zornig auf mich selbst. Zornig auf meinen Krper, der durch Entzndungen zerstrt wird und zornig auf meinen Geist, der sich immer wieder so runter ziehen lsst.
Wie besnftigt man seinen Zorn? Was ist eigentlich das Gegenteil von Zorn? Ich habe gegoogelt. Geduld ist das Gegenteil von Zorn! Da ist sie wieder die Geduld. Schon wieder fhle ich Zorn, dass ich es einfach nicht schaffe, geduldig zu sein. Sanftmut viel mir noch dazu ein. Schnes Wort. Sanftmut. Das klingt nach Ruhe. Sollte ich sanftmtiger mit mir umgehen?
Wie besnftigt man ein zorniges Kind?
August 23, 2007
So oft kann ich aufgrund meines Rheumas bestimmte Dinge nicht tun. Immer wieder sehe und fhle ich, was ich nicht kann. Jeden Tag. Mehrfach. Da gert man schnell in eine negative Richtung und das tut auch seelisch nicht gut. Ich lerne zu sehen, was ich - trotz Rheuma - kann. Und ich konzentriere mich nun auf genau diese Dinge. Ich mchte positive Gedanken in mir fhlen. Nicht immer wieder diese Unzulnglichkeit, die Grenzen. Wenn ich in mir die positiven Gedanken (was ich alles trotz Schmerzen und dicken Gelenken kann) verankere, dann halten diese mich (hoffentlich!) auch an den schlechten Tagen. Dazu muss ich die Augen ffnen und mich mit meinem Rheuma bewut wahrnehmen.
August 21, 2007
Ich habe etwas Interessantes gelesen, das mich beschftigt. Es stammt aus dem Buch “Tag fr Tag zur Mitte finden” von Tensin Gyatso, dem 14. Dalai Lama.
Warum soll man sich sorgen, wenn sich ein Problem lsen lsst? Wenn es eine Lsung gibt, dann braucht man sich doch nicht zu ngstigen. Und wenn etwas unabnderlich ist, dann muss man sich fgen. Sorgen nehmen einem nur die ntige Kraft. Sie sind nutzlos.
Das klingt so logisch. Sorgen sind so nutzlos und rauben mir Kraft. Aber warum ist es dann so schwer, das auch im Herzen zu fhlen? Trotzdem kann ich die Gedanken und Sorgen nicht einfach ausschalten. Geduld. Ich lerne mich in Geduld zu ben. Ich mchte innerlich ruhiger werden, geduldiger. Ich fhle, dass das fr mich der richtige Weg ist und diese Krankheit Rheuma auch positiv beeinflussen wird. Es ist nur so schwer.
August 11, 2007
Es will nicht locker lassen. In der letzten Zeit fhle ich mich krperlich (im gesamten Krper, nicht nur die Gelenke) krank. Das hohe Cortison lsst mich sehr schlecht schlafen, mal fhle ich mich fit und mal total erschpft. Eine innere Unruhe breitet sich mehr und mehr aus. Wie lange wird das wohl noch andauern? Ich fhl mich krank. Ich suche nach Ruhe. Nach innerer Ruhe und Zufriedenheit. Schwer. Immer wieder kommt da diese Frage in meinen Kopf, auf die ich keine Antwort finde. Warum? Was ist der Sinn? Warum hrt das nicht auf? In irgendeiner Zeitung habe ich einen der vielen Artikel ber den Dalai Lama gelesen. Es war ein Zitat dabei, das mich beschftigt. “Nicht zu bekommen, was man will, ist manchmal ein groer Glcksfall.” Ich bekomme nicht die Gesundheit, die ich will. Kann das auch irgendwie ein Glcksfall sein? Wenn doch wenigstens etws Gutes daraus entstehen wrde. Das wrde mir doch schon helfen, es macht es leichter.
Immerhin hat mich mein Rheuma, meine Krankheit und die Auseinandersetzung damit geprgt. (Geprgt? Ich wei nicht, ob das das richtige Wort dafr ist. Aber mir fllt gerade kein besseres ein.) Mich mit innerer Zufriedenheit zu beschftigen und wie ich dahin komme, mir Gedanken ber den Sinn meines Lebenes zu machen, dazu bringt mich oft meine Rheuma. Mein Rheuma beschrnkt meine Bewegung. Es stellt mich ruhig. Die Hektik des Lebens bestimmt oft mein Leben. Da bleibt kaum noch Zeit, um zu spren, was mir Glck und innere Zufriedenheit bedeutet.
Wenn ich versuche meine momentane Situation so zu sehen, falle ich nicht so tief und so schwer in dieses Loch aus Schmerzen, Trauer, Wut und Angst. Wenn schon der Rest meines Krpers nicht so richtig funktionieren mchte, mein Verstand bewegt sich in die richtige Richtung.
April 24, 2007
“Der Kper ist der bersetzer der Seele ins Sichtbare” Christian Morgenstern
Ich habe vor einigen Tagen diesen Satz gelesen und mich gefragt, was meine Seele mir wohl mit meinem Rheuma sagen mchte. Meine Gelenke werden zersrt, Bewegungen werden schwerer, Schmerzen,… Was stimmt nicht in meiner Seele, dass sie sich auf diese Art und Weise ausdrckt?
Es gibt ein kleines Bchlein mit dem Titel “Heile deinen Krper- Seelisch-geistige Grnde fr krperlich Krankheit” von Louise L.Hay. Die Autorin glaubt daran, dass falsche Denkmuster Krankheiten verursachen knnen. Aber mit neuen, positiven Denkmustern knnen Selbstheilungsprozesse aktiviert werden.
Unter dem Problem Arthritis steht als wahrscheinlicher Grund: Fhlt sich ungeliebt. Kritiksucht. Groll.
Neues Gedankenmuster: Ich bin liebe. Ich beschliee, mich zu lieben und akzeptieren. Ich sehe andere mit Augen der Liebe.
Unter Rheumatismus etwas hnliches- noch hrter. Wahrscheinlicher Grund: Fhlt sich schikaniert. Mangel an Liebe. Chronische Verbitterung. Groll.
Neues Denkmuster: Ich erzeuge meine Erlebnisse selbst. So wie ich mich selbst und andere liebe und annehme, werden meine Erfahrungen besser und besser.
Das klingt fr mich zunchst ein bisschen fremd. Doch je mehr ich ber diese Gefhle nachdenken und in mich hre, kommt mir so manches vertraut vor.
Gerade wenn mein Krper mal wieder stark schmerzt und die Gelenke sich nur mhsam bewegen wollen, fllt es mir sehr schwer mich selbst zu lieben und zu akzeptieren. Dann wil ich meinen Krper nicht mehr. Dann wrde ich gerne mit ihm Schluss machen und ihn vor die Tr setzen. Aber das geht ja nicht. Wie heit es doch so schn “in guten und in schlechten Zeiten”…ich arbeite daran…
Ist meine Seele verbittert? Ich wei es nicht, ich bin eigentlich kein verbitterter Mensch. Aber ich wei auch, dass wenn ich mir Gutes tue und mich um meine Seele kmmere, es meinen Gelenken gut tut.
Kann jemand damit etwas anfangen oder ist das zu “esotherisch”?
Dezember 14, 2006
Jetzt habe ich schon einige Tage nichts mehr geschrieben. ber mein Leben mit Rheuma und den Umgang damit zu schreiben, fordert auch Kraft. Da sitze ich an meinem Computer, horche in mich hinein und versuche sehr persnliche Gedanken und Gefhle in Worte zu fassen. Und manchmal brauche ich dann eine Pause. Manchmal mchte ich nicht, dass mein Rheuma im Mittelpunkt meines Lebens steht. Ich wei, dass es da ist (ich verdrnge nicht mehr - stimmt wohl nicht so ganz - verdrnge seltener) und das ist an manchen Tagen auch genug.
Akzeptieren, dass man eine schwere Krankheit hat, ist nicht leicht. Fr mich persnlich ist es schwer, ein “friedliches” Miteinander des gesunden und kranken Teiles in sich zu spren. Kann das jemand nachvollziehen?
November 1, 2006
Die letzte und “hchste” Stufe der Krankheitsbewltigung im Leben eines Patienten mit Rheuma. Der Autor Arnold Illhardt sagt: “…fhrt die letzte Phase der Krankheitsverarbeitung wieder zurck in eine “andere” Normalitt. Man hat seinen Platz im Leben wiedergefunden,…, man versucht seinen Alltag neu zu strukturieren. …” Das klingt fr mich als Mensch mit Rheuma erstmal sehr theoretisch. Habe ich meinen Platz im Leben wiedergefunden? Das kann ich so nicht sagen. Normalitt, kann ein Leben mit einer chronischen Krankheit wie chronische Polyarthritis normal sein? Ich denke, eher nein. Aber auf der anderen Seite, was ist schon normal? Das Leben mit einer chronischen Erkrankung wie Rheuma ist anderst. Vieles bekommt eine neue, eine andere Wertigkeit. Leider kann ich mich an ein Leben ohne Krankheit gar nicht mehr erinnern. Deshalb wrde mich interessieren, wie hat eine chronische Krankheit Dein Leben verndert? Vielleicht liest dies ja jemand, der sich an den gesunden Zustand erinnern kann und schreibt seine Sichtweise dazu…
Oktober 20, 2006
Die Phase ist laut Autor Arnold Illhardt gekennzeichnet durch groe Betriebsamkeit und Aktivitt. (…) Hufig gehrt dazu auch die Hinwendung zu alternativen (…) Behandlungsmethoden.
Ja, ich denke, auch diese Phase im Verlauf meiner rheumatoiden Arthritis kenne ich. Als Kind nachdem die Diagnose gestellt war, schleppte mich meine Mutter zu vielen rzten und Heilpraktikern, oder in irgendeiner Zeitung stand ein Artikel, was alles bei Rheuma vermieden werden sollte. Dann durfte ich beispielsweise keine Tomaten mehr essen, weil die angeblich nicht gut fr mich waren. Alles wurde probiert, gendert hat es aber leider nichts.
Als ich meine Entscheidungen selber treffen konnte und anfing, mich mehr mit mir und meinem Rheuma zu beschftigen, habe ich auch viele verschiedene Sachen versucht: Ich war bei einem Phytologen, ich habe es mit Meditation und Yoga versucht, ich war bei einer Kinesologin,…(werde noch darber berichten). Manches war frustrierend und manches hat mich Phase 5 (Akzeptanz und Normalisierung) einen groen Schritt weitergebracht. Ein Wundermittel, auch wenn ich es mir so sehr wnsche, habe ich bei meiner Suche nicht gefunden.
Oktober 12, 2006
Was sind das fr Gefhle, die in Zusammenhang mit meinem Rheuma stehen? Wut, Trauer, Niedergeschlagenheit,… Ich bin manchmal ungeduldig, gereizt, ungerecht und auch uneinsichtig. Ja, auch diese Gefhle kenne ich. Insbesondere dann, wenn Schmerzen mich bestimmen. Aggression gegen andere und vorallem gegen mich selbst. Manchmal kann ich die Aggressivitt, mit der mein Krper gegen meine Gelenke vorgeht, in mir spren und zeige dieses Gefhl dann auch nach auen. Und leider trifft es dann auch manchmal Menschen, die es nicht verdient haben. Auch Minderwertigkeitsgefhle kenne ich gut. Dicke Gelenke mit Narben entsprechen ja auch nicht gerade einem Schnheitsideal.
Eine rheumatoide Arthritis betrifft eben nicht nur die Gelenke, sondern den ganzen Menschen.
Auf der anderen Seite gibt es auch gute Gefhle. Durch meine rheumatoide Arthritis habe ich wundervolle Menschen kennengelernt, und … (Jetzt starre ich schon einige Minuten auf diesen Bildschirm und denke ber gute Gefhle im Zusammenhang mit meinem Rheuma nach… ber die negativen Gefhle zu schreiben, viel mir leichter.) Vielleicht bin ich einfach noch nicht soweit, Akzeptanz oder Normalisierung kommen erst in Phase 5. Habe ich die Phase schon erreicht? Dahin ist es ein weiter Weg, den ich jeden Tag ein Stckchen weiter gehe.